Maremma

Maremma

Als ich kürzlich ein Ferienhaus in Capalbio besichtigen sollte, stolperte ich über mein eigenes Memo, die ich mir mal für den Fall aufgeschrieben habe, daß ich nah sein sollte und es besichtigen könnte.  Neben dem Sacro Bosco – Heiligem Wald nördlich von Rom, der aus dem 16. Jahrhundert stammt und erst von Salvador Dali entdeckt und dadurch bekannt wurde las ich Capalbio – Parco dei Tarocchi, upps, wäre mir fast entwischt und das, obwohl ich direkt in der Stadt bin?
Also habe ich mir vorgenommen trotz Hitze und Anstrengung wenigstens kurz rein zu sehen. Es lag dann doch etwas entfernt, 15km, musste etwas suchen,  mein Navi wollte einfach nicht, bis ich da war. Es liegt unspektakulär ganz plötzlich neben der Straße – Parkplatz ist recht groß und zu meiner Überraschung (Mai, Nachmittags) war er voll. Ein schöner Mix an Europa –so sollte es auch in anderen Sachen sein, dachte ich vor sich hin….immer noch sah ich keine Statuen, auf die ich mich selbst programmiert habe – Niki de Saint Phalle. Selbstverständlich habe ich schon einige Male darüber gelesen.  Unten ein Haus mit einer Menschentraube, die etwas Erfrischendes kaufen wollte. Italien ist nicht gerade Weltmeister in Organisation, also tastet man sich an die Sachen ran – entsetzt stellte ich fest, ja ich muss laufen und zwar hoch. Der Eingang ist modern,  die Auskunft, dass ein Ticket 12 Euro kostet, ließ einige deutsche Touristen nach Ausweisen suchen,  ab 65 – für Rentner wird es günstiger. Erheblich. Für 14 Euro kamen die beiden Herrschaften rein – Ticket muss ganz modern in einen Schlitz eingelegt werden, was dann die Öffnung der Sperre verursacht. Wer aufs WC muß, sollte das jetzt tun, oben habe ich keines mehr gesehen, auch kein Kiosk, um nach dem Marsch etwas Wasser zu kaufen.  Oben auf dem Hügel wird man vom ersten Biest beeindruckt – es spuckt Wasser und erinnert an Dolce Vita. Erst hier oben wird einem das Ausmaß der Arbeit von Niki de Saint Phalle bewusst – man arbeitete über 16 Jahre daran, die zum Teil riesigen Objekte wurden mit kleinen Spiegelteilchen beklebt, die aus Frankreich, Murano und der Tschechoslowakei stammten und in Handarbeit abgeschlagen und angepasst wurden. Die Arbeiten kosteten damals in heutiger Währung über 5 Mio Euro und wurden von der Künstlerin getragen.
Und schon unter der ersten Stauen – die Frauen haben eine angenehme Konfektionsgröße, die an Botero erinnert – spürte ich ihren Zauber,  jede der Karten stellt eine Figur der Großen Arkana dar, die Esoterik steht Hand in  Hand mit spirituellen Übung des Spiels und der Vorstellungskraft. Die Farbenpracht lässt Kinder jauchzen, angenehm ist die Erlaubnis Hunde mitnehmen zu dürfen, die zwar etwas gelangweilt in der Hitze dem Herrchen hinterher laufen und froh sind, wenn sie bei den Objekten stehen bleiben. Das passiert schon ziemlich oft, nicht nur der versteckten Innenwelt der Objekte wegen, sondern weil die Objekte doch auch trauriges oder gar tragisches widerspiegeln und vermitteln, was einem erst klar wird, wenn er davor steht. Meine Favoriten sind Das Gericht und der Turm.